Das Konzept der einzig wahren Liebe hat sich die letzten Jahre ganz schön gewandelt.

Überall hört und liest man von neuen Tinder-Date-Disastern, dem verzweifelten Single-Dasein á la "Was mache ich nur falsch? Ich bin doch eigentlich ganz lieb!" und zig Freundschaft Plus Beziehungen, die mal mehr mal minder gut laufen.
Man springt von Date zu Date, Chat zu Chat.
Auf der ständigen Suche nach DEM/DER einzig Wahren.

Warum sind wir so besessen von diesem Thema? Wieso scheinen wir uns nur über unseren Beziehungsstatus zu definieren?

Gibt es überhaupt noch andere Themen über die wir reden und uns Gedanken machen können?

Manchmal scheine ich dies arg zu bezweifeln.
Aber seien wir mal ehrlich, die meisten lieben doch das damit einhergehende Drama.

Natürlich gibt es andere Themen. Natürlich können wir auch alleine. Natürlich ist das kein Definitionsmittel.

Denn was sagt es schon über mich aus in einer Beziehung zu sein?

Wir sollten endlich aufhören uns im Selbstmitleid zu verlieren und zu degradieren aufgrund des Single-Status.

Denn Fakt ist, es gibt neben einigen Guten auch einige Beziehungen, die ziemlich schief laufen oder in einer Form von Abhängigkeit enden, welche nicht mehr feierlich ist. Und warum? Weil nur aus ZWEI für sich GANZEN ein Ganzes entstehen kann!!!

Ich bin ich. Und nicht ich bin wir.

Viele scheinen sich in einer Beziehung als Individuum zu verlieren.

Doch genau das gilt es doch zu vermeiden.
Denn wir leben für uns! Wir leben unser Leben! Wir treffen die Entscheidungen darüber wie wir es verbringen und mit wem wir Pferde stehlen wollen!
Es ist ganz einfach. Und trotzdem so schwer. Allein sein ist für die wenigsten attraktiv. Es scheint eine inzwischen oft vergessene Form des Zeitvertreibs zu sein.
Ich habe mir vor ein paar Monaten angewöhnt öfter spazieren zu gehen. Einfach durch die Stadt zu schlendern, in ein Café zu setzen, den dampfenden Kaffee vor der Nase das Treiben um mich zu beobachten und Gedanken nachzuhängen, all die kleinen Straßen im Großstadtdschungel zu erkunden und die geheimen Underdog-Spots aufzuspüren. Ich liebe es, und ich verbringe Stunden damit. Aber es ist mir trotzdem unangenehm anderen davon zu erzählen. Warum? Weil es heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist. Durch unsere ständige Erreichbarkeit und dem Leistungsdruck, dem wir ausgesetzt sind, verbringen wir kaum noch Zeit mit uns selber. Und das macht sich bemerkbar. Zum Beispiel war früher mein Lieblingsteil des Zuschlafengehens einige Momente kurz bevor ich einschlief. Gemütlich in die Decken gekuschelt, der Blick gen Sterne als sich die Augen schlossen, und den Gedanken waren keine Grenzen gesetzt. Die geheimsten Geheimnisse, die aufregendsten Erlebnisse, die größten Ängste, die kitschigsten Fantasien. Ich brauchte mich nicht zurückzuhalten, ich brauchte mich nicht zu verstecken, denn das war einfach nur ich. Und Momente wie diese haben mich so viel reflektieren lassen. Doch mit der Zeit wurde es immer mehr durch das Lesen-bis-die-Augen-zufallen und nächtliche Handy checken abgelöst. Und irgendwann wurde mir klar...Ich habe mich schon zu lange nicht mehr mit mir selbst beschäftigt. Ich habe schon zu lange nicht mehr meinen Ängsten ins Auge geblickt. Ich habe mich selbst ausgetrickst, indem ich so tat als gäbe es nichts worüber ich mir Gedanken machen müsste. Doch das hat mich dahingehend eingeschränkt, dass ich immer weniger zu erzählen hatte. Durchdachte Kritik, sowie konkrete Pläne zu verfolgen, all dies fiel mir auf einmal noch schwerer als davor. Ich war wie eine leere Hülle, lediglich gesteuert durch Erwartungen. Von Kreativität keine Spur. Nicht mal ein Staubkorn.

Wie soll also jemand, der sich selber nicht kennt und nicht mit sich alleine sein kann, eine glückliche gesunde Beziehung führen?
Gar nicht. Das ist meine Meinung.
Denn wenn ich selber schon nicht Zeit mit mir verbringen will, wie sollte es dann von jemand anderem erwartet werden?
Deshalb bin ich überzeugte Verfechterin des Single-Daseins. Nicht ein Leben lang, aber wir sollten diesen Lebensabschnitt nicht ablehnen.

Bis wir über ein Gegenstück stolpern, bei dem wir uns nach einem anstrengenden Tag in die Arme flüchten wollen, mit dem wir stundenlang Gespräche führen können und trotzdem süchtig nach mehr sind.
Bis es dazu ganz ungezwungen kommt, sollten wir die Freiheiten genießen und uns selber erst einmal lieben lernen.


Denn:

Es geht nicht ums Überleben.
Es geht ums Zelebrieren.