Die Siegerpose

Mittwoch, 14. Juni 2017

Tobender Applaus.
Jubelrufe, euphorisches Klatschen.
Ein akustischer Schwall von über 1000 Menschen.

Ich reiße die Arme hoch.
Richte mich auf.
Mein Gesicht neigt sich gen Himmel.
Ich fühle mich unbesiegbar.
Erfüllt von so viel Licht, dass es mich überwältigt.
Die Lippen formen sich automatisch zu einem befreiten Lächeln...


Momente wie diesen haben sich vorletztes Wochenende bei mir summiert.
Summiert bis zur letzten Minute als ich die Halle in den Sonnenuntergang eines Sonntagabends verließ.
So stand ich nun, mit einem Sturm an Emotionen in mir, plötzlich draußen vor dieser Halle.
Den Blick in den Himmel gerichtet. Den noch von warmen einlullenden Orange- und Rosa-Tönen überzogenen Himmel.
In eine Wolkenformation, an ein von Eisschollen überzogenes Meer erinnernd.

Es ist schwer zu beschreiben was in mir in diesem Moment vorging.
Mein Kopf versuchte wohl noch zu verarbeiten was diese zwei Tage alles passiert ist.

"In was für einer Sekte war die denn zugange?!" höre ich jetzt schon einige laut denken.

Keine Sekte, kein Konzert oder was einem sonst dabei einfällt.
Ein Seminar. Ein Motivations-Seminar mit sehr vielen Menschen. Mit sehr viel Inspiration.
Und vor allem Emotionen. Liebe, Ehrlichkeit von Menschen, die sich bis dahin völlig unbekannt waren.

Eine Woche später rekapituliere ich die Ereignisse dieses Wochenendes. Meine Euphorie ist etwas abgeebbt, doch mich durchfährt immer noch ein Kribbeln bei der Erinnerung daran.
Und ich lächel mehr. Jammer weniger. Zumindest ein kleines bisschen. Und führe deutlich mehr interessante Gespräche. Stärke Beziehungen und...LEBE mehr!

Ich habe viel über das Gelernte nachgedacht. Über mein Leben und was mir wichtig ist. Denn, ganz ehrlich, bis vor kurzem war mir nur sehr verschwommen klar was mein größtes Anliegen im Leben ist. Ein kleiner Schritt in Richtung Lebenssinn, wenn man so sagen will.

Und meine wichtigsten Vorsätze, die ich daraus mitgenommen habe möchte ich gerne mit euch teilen.

Warum?

Weil ich denke, dass die Welt ein kleines bisschen besser wäre, würde jeder diese Punkte öfter befolgen.

1. Mehr Lachen.
Lauthals aus dem Bauch lachen. Den Kopf hinter werfen, vollends in dieser Freude aufgehen. Keine Angst davor haben, laut zu sein.

2. Öfter Schreien.
Mag sich merkwürdig anhören, aber verdammt nochmal es kann ja so unglaublich befreiend sein einfach mal etwas für sich rauszuschreien! Lasst es raus mit allem was ihr habt!

3. Mit fremden Menschen reden.
Kommunikation ist das natürlichste auf dieser Welt. Eigentlich.
Viel zu oft gehe ich mit Scheuklappen durchs Leben. Den Blick auf das Handy gerichtet oder einfach für mich mit meiner Musik, abgeschottet. Und ich bin nicht die Einzige.
Der Tag kann gleich so viel schöner sein, sprichst du mal mit Unbekannten! Nicht nur ist es für beide Parteien eine Wohltat mal wieder etwas Sozialkontakt zu haben, sondern es können sich auch wahnsinnig interessante Gespräche ergeben, die du so vielleicht nie führen würdest!

4. Blickkontakt.
Darauf versuche ich inzwischen IMMER zu achten! Du baust automatisch eine ganz andere Bindung zu Menschen auf. Und du willst doch bestimmt wissen, welche Augenfarbe dein Gegenüber hat, oder? ;)

5. Komplimente aussprechen.
Damit meine ich nicht "Oh, süßes Top!", wobei das natürlich ab und zu auch ganz schön ist, aber ich rede von ernst gemeinten und vor allem bedeutungsvolleren Komplimenten.
Sagt euren Freunden, Verwandten, wem auch immer, ruhig mal wie viel Freude sie verbreiten! Oder wie sehr du ihre Ehrlichkeit oder Unterstützung zu schätzen weißt!

6. Wertschätzen.
Mir geht es gut. Klar, habe ich ab und an meine kleinen großen Krisen, doch wenn wir ehrlich sind, meist nicht wirklich Bedeutsame. Mein Leben hat seine Macken, wie jedes Andere auch. Aber ich habe eine wunderbare Familie, Kraft- und Freude-spendende Freundschaften, die Möglichkeit auf Bildung, ein Dach über dem Kopf, die Freude am Leben! Sei es der erste Sonnenstrahl, der mich morgens wach küsst, ein kühler Windhauch, der meine erhitzte Haut streift, die Musik in meinen Ohren, die mein Herz zum tanzen bringt! Ich lebe, ich kann genießen, ich kann Leidenschaft empfinden, ich kann etwas von all dem weitergeben! Es gibt so viel, wofür ich dankbar sein kann und das sollte viel öfter in Erinnerung gerufen werden!




Zeitalter der Bekanntschaften

Montag, 3. April 2017

475 Freunde auf Facebook,
1023 Follower auf Instagram,
165 Kontakte auf Whatsapp.

Nie hat man sich so über Zahlen definiert wie heute.
Das Internet ist zu unserem zweiten Erscheinungsbild geworden. Hat der erste Eindruck, sozusagen die einmalige Aufführung nicht genug überzeugt, so dienen Accounts der sozialen Netzwerke als zweite Chance das Bühnenbild noch beeindruckender zu präsentieren.
Doch hier soll es gar nicht primär um das Internet gehen, sondern vielmehr um ein damit einhergehendes Phänomen.
Wir sind in einem Zeitalter der Bekanntschaften angekommen.
Im Fokus steht Quantität, statt Qualität.
Das möchte ich nicht für alle annehmen, es ist lediglich eine zurzeit gehäufte Beobachtung meinerseits.
Soziale Netzwerke ermöglichen uns ständige Erreichbarkeit, weltweite Kommunikation, grenzenlose Möglichkeiten und somit auch eine unglaublich große Instandhaltung von Kontakten.
Und das wird natürlich genutzt.
Denn welch einfachere Methode gibt es, sich all seine Kontakte übersichtlich zusammen zuhalten und dann auch noch im Luxus, der hauptsächlich sehr oberflächlichen Pflege?
Doch liegt genau da nicht das Problem?
Kann dieser Überschwang an Kontaktmöglichkeiten, die ständige Präsenz so vieler Menschen nicht dazu führen, die wirklichen Freundschaften aus dem Auge zu verlieren?
So viele Gespräche drehen sich heutzutage um die neuesten Fotos, der Instagram-Accounts anderer Leute, die Snapstories von Bekannten oder den teilweise soapwürdigen Dramen von Freunden und Freundes Freunden.
Wir sind so vernetzt miteinander, dass sich die Fäden immer weiter spannen. Und gleichzeitig werden viele Gespräche immer oberflächlicher, immer ähnlicher. Es ist als wäre man in einer modernen, Internet verseuchten Version von "Und täglich grüßt das Murmeltier".
Ich bin an einem Punkt angekommen, der mich überdenken lässt, was wirklich Freunde sind. Wer sie sind. Und
von Herzen zu schätzen, sie für zukünftige Abenteuer an meiner Seite zu wissen.
Denn ist es nicht so, dass wir immer mehr Kontakte halten, von denen wir insgeheim wissen, dass sie uns nicht gut tun?
Zu oft habe ich von Freunden gehört, dass vermeintlich gute Freunde ihrerseits, über sie lästerten, ihnen ein ungutes Gefühl gaben, ein unnötig schlechtes Gewissen bereiteten, in schwierigen Situationen nicht als Schulter zum anlehnen und unterstützen dienten. Das sind für mich keine Indizien wahrer Freundschaft.
Genauso wenig, wie wenn man nicht das Gefühl hat, unter diesen Menschen komplett man selbst sein zu können, und was gibt es wichtigeres? Stattdessen wird sich angepasst, Rollen werden eingenommen.
Der Aspekt des "viele Freunde habens" hat für einige den Charakter eines Statements, eines Statussymbols angenommen. Doch warum nimmt das einen höheren Stellenwert ein als unser eigenes Wohlbefinden?
Wenn ihr mich fragt, machen gute Freundschaften aus, dass man sich fallen lassen kann und einem Energie zukommt und nicht genommen wird. Dass es ein Geben und Nehmen gibt, welches sich die Waage hält. Nicht umsonst heißt es, Freunde sind die Familie, die man sich aussucht.
Also fassen wir doch den Mut zu unterscheiden. Bekanntschaften von Freundschaften zu trennen.
Den Mut energieraubende, belastende Beziehungen zu kappen oder reduzieren.
Fokussieren wir uns wieder mehr auf die Menschen, die uns wirklich wichtig sind. Die mit denen es genauso gut möglich ist einen Abend zusammen Pferde zu stehlen, wie den anderen Abend über den Sinn des Lebens zu philosophieren.
Die uns am tiefsten Punkt angekommen, helfen eine Leiter zu bauen und die mit uns, den Hochpunkt erreicht, bis zum Morgengrauen durchtanzen.
Die Art von Freunden, mit denen man über alles und nichts reden kann. Zusammen den Sternschnuppen hinterherjagt.
Denn es braucht keine Horde an Menschen hinter dir, nur ein paar Wenige.
Aber dann die Richtigen.




How to be single

Samstag, 4. März 2017


Das Konzept der einzig wahren Liebe hat sich die letzten Jahre ganz schön gewandelt.

Überall hört und liest man von neuen Tinder-Date-Disastern, dem verzweifelten Single-Dasein á la "Was mache ich nur falsch? Ich bin doch eigentlich ganz lieb!" und zig Freundschaft Plus Beziehungen, die mal mehr mal minder gut laufen.
Man springt von Date zu Date, Chat zu Chat.
Auf der ständigen Suche nach DEM/DER einzig Wahren.

Warum sind wir so besessen von diesem Thema? Wieso scheinen wir uns nur über unseren Beziehungsstatus zu definieren?

Gibt es überhaupt noch andere Themen über die wir reden und uns Gedanken machen können?

Manchmal scheine ich dies arg zu bezweifeln.
Aber seien wir mal ehrlich, die meisten lieben doch das damit einhergehende Drama.

Natürlich gibt es andere Themen. Natürlich können wir auch alleine. Natürlich ist das kein Definitionsmittel.

Denn was sagt es schon über mich aus in einer Beziehung zu sein?

Wir sollten endlich aufhören uns im Selbstmitleid zu verlieren und zu degradieren aufgrund des Single-Status.

Denn Fakt ist, es gibt neben einigen Guten auch einige Beziehungen, die ziemlich schief laufen oder in einer Form von Abhängigkeit enden, welche nicht mehr feierlich ist. Und warum? Weil nur aus ZWEI für sich GANZEN ein Ganzes entstehen kann!

Ich bin ich. Und nicht ich bin wir.

Viele scheinen sich in einer Beziehung als Individuum zu verlieren.

Doch genau das gilt es doch zu vermeiden.
Denn wir leben für uns! Wir leben unser Leben! Wir treffen die Entscheidungen darüber wie wir es verbringen und mit wem wir Pferde stehlen wollen!
Es ist ganz einfach. Und trotzdem so schwer. Allein sein ist für die wenigsten attraktiv. Es scheint eine inzwischen oft vergessene Form des Zeitvertreibs zu sein.
Ich habe mir vor ein paar Monaten angewöhnt öfter spazieren zu gehen. Einfach durch die Stadt zu schlendern, in ein Café zu setzen, den dampfenden Kaffee vor der Nase das Treiben um mich zu beobachten und Gedanken nachzuhängen, all die kleinen Straßen im Großstadtdschungel zu erkunden und die geheimen Underdog-Spots aufzuspüren. Ich liebe es, und ich verbringe Stunden damit. Aber es ist mir trotzdem unangenehm anderen davon zu erzählen. Warum? Weil es heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist. Durch unsere ständige Erreichbarkeit und dem Leistungsdruck, dem wir ausgesetzt sind, verbringen wir kaum noch Zeit mit uns selber. Und das macht sich bemerkbar. Zum Beispiel war früher mein Lieblingsteil des Zuschlafengehens einige Momente kurz bevor ich einschlief. Gemütlich in die Decken gekuschelt, der Blick gen Sterne als sich die Augen schlossen, und den Gedanken waren keine Grenzen gesetzt. Die geheimsten Geheimnisse, die aufregendsten Erlebnisse, die größten Ängste, die kitschigsten Fantasien. Ich brauchte mich nicht zurückzuhalten, ich brauchte mich nicht zu verstecken, denn das war einfach nur ich. Und Momente wie diese haben mich so viel reflektieren lassen. Doch mit der Zeit wurde es immer mehr durch das Lesen-bis-die-Augen-zufallen und nächtliche Handy checken abgelöst. Und irgendwann wurde mir klar...Ich habe mich schon zu lange nicht mehr mit mir selbst beschäftigt. Ich habe schon zu lange nicht mehr meinen Ängsten ins Auge geblickt. Ich habe mich selbst ausgetrickst, indem ich so tat als gäbe es nichts worüber ich mir Gedanken machen müsste. Doch das hat mich dahingehend eingeschränkt, dass ich immer weniger zu erzählen hatte. Durchdachte Kritik, sowie konkrete Pläne zu verfolgen, all dies fiel mir auf einmal noch schwerer als davor. Ich war wie eine leere Hülle, lediglich gesteuert durch Erwartungen. Von Kreativität keine Spur. Nicht mal ein Staubkorn.

Wie soll also jemand, der sich selber nicht kennt und nicht mit sich alleine sein kann, eine glückliche gesunde Beziehung führen?
Gar nicht. Das ist meine Meinung.
Denn wenn ich selber schon nicht Zeit mit mir verbringen will, wie sollte es dann von jemand anderem erwartet werden?
Deshalb bin ich überzeugte Verfechterin des Single-Daseins. Nicht ein Leben lang, aber wir sollten diesen Lebensabschnitt nicht ablehnen.

Bis wir über ein Gegenstück stolpern, bei dem wir uns nach einem anstrengenden Tag in die Arme flüchten wollen, mit dem wir stundenlang Gespräche führen können und trotzdem süchtig nach mehr sind.
Bis es dazu ganz ungezwungen kommt, sollten wir die Freiheiten genießen und uns selber erst einmal lieben lernen.


Denn:

Es geht nicht ums Überleben.
Es geht ums Zelebrieren.



Glühwürmchen im Kopf

Dienstag, 28. Februar 2017

Vorneweg: Nach langer Abwesenheit will ich mich aufrichtig entschuldigen, dass es so lange gedauert hat von mir hören zulassen!
Dieser Blog ist mir, wenn auch in seiner Anfangsphase, sehr wichtig! Denn Blue Lionne soll einen Teil meines gedanklichen Universum festhalten, an dem ich euch teilhaben lassen will. Deshalb hoffe ich,
versteht ihr, dass es mir widerstrebt diesen Blog mit inhaltlosen Überbrückungsposts zu füllen. Wenn ich schreibe, dann von Herzen und von Themen, die mich wirklich beschäftigen.
Denn manchmal sind es die vermeintlich kleinen flüchtigen Gedanken, die am wertvollsten sind. Einfache Stimmungsbilder, deren Wert sich in der Erinnerung zeigen. Ich versuche so oft es geht meine kleinen Glühwürmchen einzufangen, um ihr Leuchten noch einen Moment länger betrachten zu können. Bevor sie wieder frei fliegen. Das innere, auf einer Wiese umhertollende, kleine Mädchen, das mit übermütigen Sprüngen die Hand in die Luft streckt. Voller Hoffnung auf einen Fang. Den Blick fokussiert. Nichts anderes zählt als das faszinierende Leuchten dieses Wesens, wiederspiegelnd in den Augen des Mädchens.
Und vielleicht, ganz vielleicht, lässt euer inneres Kind sich davon auch mitreißen. 


"Es ist eine merkwürdige Zeit. Eine Zeit voller Veränderung und der Suche nach Stabilität. Dem Versuch des Fassens von Konstanten. 
Alles scheint sich zu drehen und zu winden.
Ich schwebe, bin haltlos.
Doch was ist das?
Ein roter Schimmer, ein Aufblitzen im Nebel.
Ich versuche danach zu greifen.
Ein rot seidenes Band. Es ist wie ein Anker in einem Meer von Wolken.
Ich hangel mich daran weiter.
So langsam erscheint ein Holzgeländer.
Ein Fuß vor den Anderen.
Plötzlich der nächste Tritt auf sicheren Boden, es knarzt.
Das Bild nimmt Form an. 
Die Sicht klärt sich. 
Es ist ein Holzsteg ins Ungewisse. 
Ich gehe ihn ab.
Balken erheben und treffen sich in einem Rundbogen.
Schritt für Schritt, Brett für Brett ergibt sich eine Konstruktion, die mich zu umfassen scheint.
Die mich zu umarmen scheint.
Meine Hand fährt am Geländer entlang.
Folgt ihm.
Die Fingerspitzen erspüren die raue Oberfläche, Rille für Rille.
Das Band entgleitet meiner anderen Hand, streichelt die Haut in einer fließenden Bewegung bevor es zurück fällt.
Ich setze weiter einen Fuß vor den Anderen, aufrechter nun.
Das Kinn hebt sich, die Schultern gehen zurück, der Rücken streckt sich durch.
Ein Windhauch weht durch die Haare, führt einen Tanz mit den Locken auf.
Eine Wärme macht sich in meinem Bauch breit.
Ein orange goldenes Prickeln, wie ein Sonnenaufgang.
Das Lächeln verselbständigt sich, die Zunge befeuchtet die Lippe.
Mit dem Blick nach vorne, in eine Nebellandschaft gerichtet, gehe ich weiter."







Vom Studium & dem ganz normalen Wahnsinn

Mittwoch, 21. September 2016

Schule aus. Abschluss in der Tasche. Alles super, jeder glücklich.
Und Nun? Ausbildung, Studium, Reisen, so viele Möglichkeiten.
Doch was ist die beste Alternative? Welche passt zu mir?
Will ich risikobereit in meine Zukunft starten oder den sicheren Weg gehen?
Erstmal Geld verdienen oder Lebenserfahrung sammeln?

Es gibt wohl kaum eine Zeit in deinem Leben, in der sich dir mehr Fragen aufdrängen.

Spulen wir mal ein Jahr zurück. Auch für mich kam der Schulabschluss viel zu schnell. Bis dahin hatte ich erfolgreich verdrängt, dass es sich bei meinen nächsten Schritten um meine Zukunft entscheidet. Viel zu groß war die Verlockung auch zu verreisen, wie so viele aus dem Jahrgang. Doch manchmal kann man gewisse Hindernisse nicht leugnen. Geld. Geld. Geld. Geld. Nie hat mich ein Wort so oft in schreiend roten Buchstaben verfolgt. Fängt es jetzt schon an?! Lasse ich mich gleich zu Anfang durch etwas so materielles, so nichtssagendes aufhalten? Leider, ja. Ich will ganz ehrlich zu euch sein. Mit etwas mehr Engagement, Kreativität und Planung wäre auch mein Wunsch ins Ausland zu gehen irgendwie machbar gewesen. Doch dafür war ich zu inkonsequent. Beeinflusst durch anderer Leute Meinungen, dem ewigen scheinbar nicht zu entkommenden Problem - Geld - und meinem Talent zu verdrängen. Was nun? Welche Alternativen? Meine anfängliche Idee einer Fotografen-Ausbildung hatte sich bereits nach dem ersten Probearbeiten zerschlagen. Die Folge: meine Erkenntnis, das Hobby nicht zum Beruf machen zu wollen. Also wieder am Anfang. Studium! In der Universität habe ich mich sowieso immer gesehen! Warum also nicht einfach mal auf interessante Studiengänge bewerben? Das dürfte mir sowieso noch viel besser helfen Einblicke zu gewinnen, was es so gibt! Gesagt, getan. Schnell waren 20 Bewerbungen an die Universitäten dieses Landes verschickt. Nächstes Problem. NC. Folge: es folgte Absage auf Absage...Puuh, das wurde langsam - ach, wem mach ich was vor! RASEND SCHNELL - ziemlich frustrierend. Deprimierend. Na gut. Entweder ich weiche jetzt auf kleinere Unis aus oder suche mir alternative Studiengänge! Also ging die Recherche wieder von Vorne los. Es folgte eine lange schonungslos deprimierende Zeit. Bis eines Tages, im Gespräch, eine Freundin ihr Interessens-Studium erwähnte.
Naher und Mittlerer Osten...Hmm das klingt ziemlich interessant! Erinnerte mich an mein Kolloquium in Geschichte.  Zwei Stunden später saß ein verzweifeltes und zugleich neugierig gewordenes Mädchen mit großen Augen vor ihrem Notebook. Ein riesen Anteil an Geschichte und Sprache...das klang erstmal nicht schlecht! Wow, man hat die Möglichkeit Arabisch zu lernen! Immer mehr verselbstständigte sich ein begeistertes Grinsen auf dem Gesicht des Mädchens. Zukunftsaussichten? Vielfältiger als gedacht...und gerade zur Zeit werden viele Experten auf dem Gebiet gesucht...Und der NC? Zulassungsfrei! Jackpot!!! Also war es beschlossene Sache. Ich verliebte mich so sehr in die Vorstellung etwas zu studieren, das niemand von mir erwartet hätte. Zugleich mich selbst so beeindruckte und fesselte, das mich nichts mehr davon abhalten konnte. Ich war verräumt. Endlich mit einer Antwort, auf die Frage „Was machst du jetzt?“, ausgestattet.
Ziemlich schnell verging also ein Semester in dem ich mehr oder weniger regelmäßig in der Uni saß, mehr oder weniger erfolgreich Klausuren mitschrieb, während ich schon überlegte, ob nicht doch woanders meine Stärken lagen. Semesterferien wurden genutzt um endlich ein geregeltes Einkommen in Form eines Jobs zu erreichen. Und schon startete das zweite Semester! Die Motivation ließ nach, der Glaube an das richtige Studium genauso. Bald war ein Jahr um und was konnte ich vorweisen? Einen Job und ein angefangenes Studium. Gut, das ist nicht...nichts. Aber dennoch kam es mir zu wenig vor. Nicht genug! Wie macht sich das wohl in deinem Lebenslauf?! Ein Satz, der mir zu den Ohren raushing und in die Verzweiflung trieb! Was war denn nun mit Selbstverwirklichung?! Zählte das denn gar nichts?! Durfte ich mir nicht mal die Zeit nehmen meinen Platz in dieser großen Welt zu finden?! Schließlich ging es um meine Zukunft!

Versteht mich nicht falsch. Das Jahr bereue ich trotzdem kein Stück. Ich hatte die Möglichkeit mich in überaus interessante Themen einzuarbeiten, konnte die Mechanismen der Universität kennenlernen  und erste richtige Erfahrungen im Berufsleben sammeln. Alles Attribute die ich sehr zu schätzen weiß. Doch die Angst den falschen Weg zu gehen war ständig im Hinterkopf und wurde nicht müde an die Vordertür zu klopfen.
Das Beste was ich zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben tun konnte. Reden. Mit jedem Gesprächspartner fing ich das Thema Studium, Arbeit, Zukunft auf. Holte mir Erfahrungsberichte, Infos über andere Studiengänge und was ich sonst noch bekam. Ich saugte alles wie ein Schwamm auf. Ausschlaggebend waren letztendlich vor allem meine beste Freundin, meine Familie (in der es natürlich auch zig geteilte Meinungen gab) und eine fremde Frau im Hugendubel. Ja, tatsächlich letztere - danke, an dieser Stelle für das nette Gespräch - hat mich in meinem Wunsch bestärkt die soziale Richtung einzuschlagen. Soziologie. Meine Omi mag an dieser Stelle nun die Kinnlade runterklappen. Gruß an dich Omi, du weißt ich hab dich lieb!
Aber ich bin davon überzeugt diesmal, das Richtige zu tun. Und selbst wenn nicht!? Was macht das schon?! Dann wechsel ich eben nochmal den Studiengang! Falle eben noch mal auf die Knie! Was solls? Solange ich wieder aufstehen, den Staub abklopfen und zuversichtlich den anderen Weg einschlagen kann!




Also hatte ich erst mal alle gut gemeinten Ratschläge von Verwandten und Bekannten außen vor gelassen, Zweifel verdrängt und den Mut gefasst eine Entscheidung zu treffen, gab es Grund genug mich wieder zu freuen.
Etwas Neues beginnt. Ein Abenteuer, das sowohl freudige Überraschungen als auch schwierige Herausforderungen bereit hält.
In meinem Fall ist es der Beginn eines neuen Studiums.
Wellen der Vorfreude und Nervosität spülen über mich im Wechsel hinweg.
Die guten Vorsätze sind standfest und lassen die Aussicht etwas Neues zu lernen als aufregend erscheinen. Brav jede Vorlesung besuchen, ausführlich mitschreiben, schön zusammenfassen und lernen, lernen, lernen! Nebenbei im Idealfall einen Werkstudentenjob ergattern und schon mal bezüglich WGs umhören.
Hoffentlich sind auch ein paar nette Leute in den Vorlesungen. Oh, und Informationen zu Erasmus einholen darf auch nicht vergessen werden! Die To-Dos häufen sich. Extrem. Was wiederum zur Nervosität zurückführt. Doch gleichzeitig gibt es auch dieses gute Kribbeln im Bauch. Es werden Herausforderungen auf mich zukommen, aber...ich freue mich darauf!
Schließlich wäre das Leben ohne sie doch langweilig oder?
Wer weiß vielleicht sitzen dort zukünftige unabdingbare Freundschaften mit mir im Vorlesungssaal?
Oder auch einfach Sichtweisen, die mich mal wieder über den Tellerrand schauen lassen und zum Hinterfragen anregen? Jede neue Bekanntschaft im Leben bringt auch neue Ansichten durch eigene Erfahrungen mit. Insofern muss gar keine große Freundschaft auf mich warten, denn auch weniger kann mehr sein. Sind Erwartungen  heruntergeschraubt, kann das manchmal große Erleichterung und eine ebenso große Bereicherung mit sich ziehen.
Schon jetzt drängt sich mir das typische Bild einer Studentin auf. Wenn mal nicht in der Uni, am Chai Latte nippend im Künstlercafé, beim Büffeln in der Stabi oder im Park auf der Bank, die bereits verfärbende Herbstlandschaft im Blick. Ich kann nicht behaupten, dass mir diese Vorstellung nicht gefällt. Tatsache ist doch, das Studium fühlt sich wie ein vollkommen neuer Meilenstein an. Ein kleines Stück weiter in Richtung erwachsen sein. In Richtung Selbstständigkeit. Unabhängigkeit.
Und das ist ein Abenteuer, das ich nicht verpassen will.


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