Schule aus. Abschluss in der Tasche. Alles super, jeder glücklich.
Und Nun? Ausbildung, Studium, Reisen, so viele Möglichkeiten.
Doch was ist die beste Alternative? Welche passt zu mir?
Will ich risikobereit in meine Zukunft starten oder den sicheren Weg gehen?
Erstmal Geld verdienen oder Lebenserfahrung sammeln?

Es gibt wohl kaum eine Zeit in deinem Leben, in der sich dir mehr Fragen aufdrängen.

Spulen wir mal ein Jahr zurück. Auch für mich kam der Schulabschluss viel zu schnell. Bis dahin hatte ich erfolgreich verdrängt, dass es sich bei meinen nächsten Schritten um meine Zukunft entscheidet. Viel zu groß war die Verlockung auch zu verreisen, wie so viele aus dem Jahrgang. Doch manchmal kann man gewisse Hindernisse nicht leugnen. Geld. Geld. Geld. Geld. Nie hat mich ein Wort so oft in schreiend roten Buchstaben verfolgt. Fängt es jetzt schon an?! Lasse ich mich gleich zu Anfang durch etwas so materielles, so nichtssagendes aufhalten? Leider, ja. Ich will ganz ehrlich zu euch sein. Mit etwas mehr Engagement, Kreativität und Planung wäre auch mein Wunsch ins Ausland zu gehen irgendwie machbar gewesen. Doch dafür war ich zu inkonsequent. Beeinflusst durch anderer Leute Meinungen, dem ewigen scheinbar nicht zu entkommenden Problem - Geld - und meinem Talent zu verdrängen. Was nun? Welche Alternativen? Meine anfängliche Idee einer Fotografen-Ausbildung hatte sich bereits nach dem ersten Probearbeiten zerschlagen. Die Folge: meine Erkenntnis, das Hobby nicht zum Beruf machen zu wollen. Also wieder am Anfang. Studium! In der Universität habe ich mich sowieso immer gesehen! Warum also nicht einfach mal auf interessante Studiengänge bewerben? Das dürfte mir sowieso noch viel besser helfen Einblicke zu gewinnen, was es so gibt! Gesagt, getan. Schnell waren 20 Bewerbungen an die Universitäten dieses Landes verschickt. Nächstes Problem. NC. Folge: es folgte Absage auf Absage...Puuh, das wurde langsam - ach, wem mach ich was vor! RASEND SCHNELL - ziemlich frustrierend. Deprimierend. Na gut. Entweder ich weiche jetzt auf kleinere Unis aus oder suche mir alternative Studiengänge! Also ging die Recherche wieder von Vorne los. Es folgte eine lange schonungslos deprimierende Zeit. Bis eines Tages, im Gespräch, eine Freundin ihr Interessens-Studium erwähnte.
Naher und Mittlerer Osten...Hmm das klingt ziemlich interessant! Erinnerte mich an mein Kolloquium in Geschichte.  Zwei Stunden später saß ein verzweifeltes und zugleich neugierig gewordenes Mädchen mit großen Augen vor ihrem Notebook. Ein riesen Anteil an Geschichte und Sprache...das klang erstmal nicht schlecht! Wow, man hat die Möglichkeit Arabisch zu lernen! Immer mehr verselbstständigte sich ein begeistertes Grinsen auf dem Gesicht des Mädchens. Zukunftsaussichten? Vielfältiger als gedacht...und gerade zur Zeit werden viele Experten auf dem Gebiet gesucht...Und der NC? Zulassungsfrei! Jackpot!!! Also war es beschlossene Sache. Ich verliebte mich so sehr in die Vorstellung etwas zu studieren, das niemand von mir erwartet hätte. Zugleich mich selbst so beeindruckte und fesselte, das mich nichts mehr davon abhalten konnte. Ich war verräumt. Endlich mit einer Antwort, auf die Frage „Was machst du jetzt?“, ausgestattet.
Ziemlich schnell verging also ein Semester in dem ich mehr oder weniger regelmäßig in der Uni saß, mehr oder weniger erfolgreich Klausuren mitschrieb, während ich schon überlegte, ob nicht doch woanders meine Stärken lagen. Semesterferien wurden genutzt um endlich ein geregeltes Einkommen in Form eines Jobs zu erreichen. Und schon startete das zweite Semester! Die Motivation ließ nach, der Glaube an das richtige Studium genauso. Bald war ein Jahr um und was konnte ich vorweisen? Einen Job und ein angefangenes Studium. Gut, das ist nicht...nichts. Aber dennoch kam es mir zu wenig vor. Nicht genug! Wie macht sich das wohl in deinem Lebenslauf?! Ein Satz, der mir zu den Ohren raushing und in die Verzweiflung trieb! Was war denn nun mit Selbstverwirklichung?! Zählte das denn gar nichts?! Durfte ich mir nicht mal die Zeit nehmen meinen Platz in dieser großen Welt zu finden?! Schließlich ging es um meine Zukunft!

Versteht mich nicht falsch. Das Jahr bereue ich trotzdem kein Stück. Ich hatte die Möglichkeit mich in überaus interessante Themen einzuarbeiten, konnte die Mechanismen der Universität kennenlernen  und erste richtige Erfahrungen im Berufsleben sammeln. Alles Attribute die ich sehr zu schätzen weiß. Doch die Angst den falschen Weg zu gehen war ständig im Hinterkopf und wurde nicht müde an die Vordertür zu klopfen.
Das Beste was ich zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben tun konnte. Reden. Mit jedem Gesprächspartner fing ich das Thema Studium, Arbeit, Zukunft auf. Holte mir Erfahrungsberichte, Infos über andere Studiengänge und was ich sonst noch bekam. Ich saugte alles wie ein Schwamm auf. Ausschlaggebend waren letztendlich vor allem meine beste Freundin, meine Familie (in der es natürlich auch zig geteilte Meinungen gab) und eine fremde Frau im Hugendubel. Ja, tatsächlich letztere - danke, an dieser Stelle für das nette Gespräch - hat mich in meinem Wunsch bestärkt die soziale Richtung einzuschlagen. Soziologie. Meine Omi mag an dieser Stelle nun die Kinnlade runterklappen. Gruß an dich Omi, du weißt ich hab dich lieb!
Aber ich bin davon überzeugt diesmal, das Richtige zu tun. Und selbst wenn nicht!? Was macht das schon?! Dann wechsel ich eben nochmal den Studiengang! Falle eben noch mal auf die Knie! Was solls? Solange ich wieder aufstehen, den Staub abklopfen und zuversichtlich den anderen Weg einschlagen kann!




Also hatte ich erst mal alle gut gemeinten Ratschläge von Verwandten und Bekannten außen vor gelassen, Zweifel verdrängt und den Mut gefasst eine Entscheidung zu treffen, gab es Grund genug mich wieder zu freuen.
Etwas Neues beginnt. Ein Abenteuer, das sowohl freudige Überraschungen als auch schwierige Herausforderungen bereit hält.
In meinem Fall ist es der Beginn eines neuen Studiums.
Wellen der Vorfreude und Nervosität spülen über mich im Wechsel hinweg.
Die guten Vorsätze sind standfest und lassen die Aussicht etwas Neues zu lernen als aufregend erscheinen. Brav jede Vorlesung besuchen, ausführlich mitschreiben, schön zusammenfassen und lernen, lernen, lernen! Nebenbei im Idealfall einen Werkstudentenjob ergattern und schon mal bezüglich WGs umhören.
Hoffentlich sind auch ein paar nette Leute in den Vorlesungen. Oh, und Informationen zu Erasmus einholen darf auch nicht vergessen werden! Die To-Dos häufen sich. Extrem. Was wiederum zur Nervosität zurückführt. Doch gleichzeitig gibt es auch dieses gute Kribbeln im Bauch. Es werden Herausforderungen auf mich zukommen, aber...ich freue mich darauf!
Schließlich wäre das Leben ohne sie doch langweilig oder?
Wer weiß vielleicht sitzen dort zukünftige unabdingbare Freundschaften mit mir im Vorlesungssaal?
Oder auch einfach Sichtweisen, die mich mal wieder über den Tellerrand schauen lassen und zum Hinterfragen anregen? Jede neue Bekanntschaft im Leben bringt auch neue Ansichten durch eigene Erfahrungen mit. Insofern muss gar keine große Freundschaft auf mich warten, denn auch weniger kann mehr sein. Sind Erwartungen  heruntergeschraubt, kann das manchmal große Erleichterung und eine ebenso große Bereicherung mit sich ziehen.
Schon jetzt drängt sich mir das typische Bild einer Studentin auf. Wenn mal nicht in der Uni, am Chai Latte nippend im Künstlercafé, beim Büffeln in der Stabi oder im Park auf der Bank, die bereits verfärbende Herbstlandschaft im Blick. Ich kann nicht behaupten, dass mir diese Vorstellung nicht gefällt. Tatsache ist doch, das Studium fühlt sich wie ein vollkommen neuer Meilenstein an. Ein kleines Stück weiter in Richtung erwachsen sein. In Richtung Selbstständigkeit. Unabhängigkeit.
Und das ist ein Abenteuer, das ich nicht verpassen will.